Die Presse zur "Schöferischen Pause"

Kölnische Rundschau: „Konzertreihe 'Klangvisionen' endet im Juni
Trompeter Stockhausen und Lichtkünstler Zavelberg: Kreative Pause nach 108 Auftritten

NEUSTADT-SÜD. 105 Konzerte haben der Trompeter Markus Stockhausen und der Lichtkünstler Rolf Zavelberg bereits in der Pfarrkirche St. Maternus organisiert. Die Musik von Stockhausen alleine oder mit wechselnden weiteren Musikern sowie die Lichtinstallationen von Zavelberg haben unter dem Titel "Klangvisionen" ein breites Publikum auch außerhalb der Domstadt angesprochen. 71 Gastmusiker aus 19 Ländern haben bislang mitgewirkt.

Vor acht Jahren begann die Reihe, nun ist Schluss. Im Juni, mit dem 108. Konzert, endet die Reihe. Ob, wie und wann sie weitergeführt werde, sei noch nicht entschieden, sagten die beiden Künstler, die sich eine "schöpferische Pause" gönnen.

Bis dahin sind die "Klangvisionen" noch drei Mal zu erleben. Am Samstag, 12. April, spielt Markus Stockhausen ab 20 Uhr solo, am Donnerstag, 22. Mai, wird er ab 21 Uhr von Alon Sariel aus Israel an der Mandoline unterstützt. Das Abschlusskonzert am Samstag, 14. Juni, um 21 Uhr bestreiten dann Markus Stockhausen, die Klarinettistin Tara Bouman aus den Niederlanden und Rolf Zavelberg. Alle Konzerte finden in der Pfarrkirche St. Mauritius, Ecke Alteburger Straße/Maternuskirchplatz, statt. (jöf)“ Kölnische Rundschau, 13.03.2008
 
 
 

Kölnische Rundschau: „Bis zur Sonne und zurück
108 mal 'Klangvisionen': Ungewöhnliche Reihe endet im Juni


Nach acht Jahren und über 100 Konzerten in St. Maternus endet im Juni die ungewöhnliche Reihe "Klangvisionen" mit der intuitiven Musik des Trompeters Markus Stockhausen und Lichtinstallationen von Rolf Zavelberg. Matthias Corvin zog mit ihnen Bilanz.

Frage: Wie kam es vor acht Jahren zur Idee für Ihre Reihe?

Zavelberg: Es gab vorher etwas Ähnliches in der Lutherkirche. Damals lernte ich Markus kennen und fragte, ob er mitmachen wolle. Er sagte sofort ja. Vor acht Jahren konnten wir dann die Maternuskirche als Veranstalter gewinnen. Der Gemeinde ist zu verdanken, dass hier im Februar 2000 die ,Klangvisionen´ begannen. In diesem Juni werden wir insgesamt 108 Konzerte gespielt haben.

Frage: Was ist an der Akustik der Maternuskirche so besonders?

Stockhausen: Dieser Raum ist für Bläserklänge, speziell für Trompete, außergewöhnlich gut geeignet, da er sieben Sekunden Nachhall hat. Der Hall verschwimmt nicht im Raum, sondern klingt gleichmäßig aus. Das ist sehr schön.

Frage: Die Reihe wandelte sich im Lauf der Jahre. Aus statischen Ausleuchtungen mit einfachen Mitteln wurden immer aufwändigere Bild- und Lichtkompositionen.

Zavelberg: Von einer ,bloßen´ Installation zu Lichtinszenierungen, die in eigenständiger Bewegung mit der Musik zusammenwirken, kamen wir bei einem Gastspiel in der Tonhalle Düsseldorf. Es braucht zwei Tage und mehrere Helfer, bis die vielen Lampen richtig installiert sind. Für die Lichtspiele sind die hellen Wände in der Maternuskirche ein großer Vorteil.

Frage: Wie kam es zur Auswahl der oft ungewöhnlichen Musiker aus anderen Ländern?

Stockhausen: Durch meine Auslandsreisen lerne ich viele Musiker kennen, die ich dann einlade. Alon Sariel, der im Konzert am 22. Mai Mandoline spielen wird, traf ich zum Beispiel auf dem ´White Night´-Festival in Jerusalem. Er hat mich sofort fasziniert.

Frage: Wieso beenden Sie die Reihe gerade jetzt? 108 ist ja nicht gerade eine runde Zahl.

Stockhausen: Aber eine besondere! Der Durchmesser der Sonne mal 108 ist die Entfernung von der Sonne zur Erde; beim Mond verhält es sich genauso. Es ist eine heilige Zahl im Buddhismus und in anderen Kulturen. Aber erst beim Nachzählen der Konzerte fiel mir der Zusammenhang auf...

Frage: Was bedeutet dieser Schluss für Sie persönlich?

Stockhausen: Es ist genug. Ich möchte mal tief durchatmen und überlegen: Was willst Du, wo gehst Du hin? Das schließt nicht aus, dass wir weitermachen – ich möchte im Moment aber einfach diesen Freiraum haben. Natürlich wird das Projekt ´Klangvisionen´ mit Tara Bouman, Rolf Zavelberg und mir weiter Gastspiele in verschiedenen Städten geben.

Frage: Haben Sie sich manchmal eine stärkere Resonanz in Köln gewünscht?

Stockhausen: Natürlich haben wir uns immer gewünscht, dass mehr Leute kommen. Wir hatten zwar Konzerte mit rund 200 Besuchern, doch im Schnitt waren es zwischen 50 und 100. Das war finanziell nicht leicht, aber wir haben es immer geschafft. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir jetzt aufhören.

Zavelberg: Das stimmt. Wir hatten immer das Bedürfnis, die Reihe fortzuführen. Es ging uns nicht ums Geld. Und wir würden es wieder tun. Es gab so schöne Begegnungen mit dem Publikum, das sehr gemischt und international war. Für dieses Interesse danken wir natürlich besonders.

Die letzten Konzerte: 12. April, 20 Uhr (Solokonzert M. Stockhausen); 22. Mai, 21 Uhr (Duo Sariel-Stockhausen); 14. Juni, 21 Uhr (Duo Bouman-Stockhausen).

CD-Tipp: Markus Stockhausen u.a. .

www.aktivraum.deKölnische Rundschau, 11.04.2008
 
 
 

„Kölner Stadt-Anzeiger: 'Ich fordere die Eingebung heraus'
Markus Stockhausen und Rolf Zavelberg im Gespräch über Musik und Licht

Der Musiker und der Lichtkünstler beenden im Juni ihre Reihe 'Klangvisionen' in St. Maternus

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Stockhausen, warum nennen Sie Ihre Improvisationen „intuitive Musik“?

MARKUS STOCKHAUSEN: Für mich ist Improvisation ein Spiel nach vorgegebenen Strukturen, sei es ein Thema, ein Harmonieschema, ein Rhythmus...Intuitive Musik entsteht ganz ohne solche Strukturen. Man macht sich leer von allen Inhalten und horcht in sich hinein: Welcher Ton passt jetzt zum Raum, zum Publikum, zu meiner Gemütsverfassung? Ich fordere sozusagen die Eingebung heraus, das ist ja mit Intuition gemeint.

Gelingt das auch mit Partnern?

MARKUS STOCKHAUSEN: Ja, wenn sie Ähnliches wollen und ähnlich geschult sind. Je weiter das Erfahrungsspektrum eines Musikers ist, desto vielseitiger und gewählter kann er sich ausdrücken.

Brauchen Sie Partner, die eine ähnlich umfangreiche Ausbildung haben wie sie selbst?

MARKUS STOCKHAUSEN: Es geht jedenfalls umso besser, je mehr man gelernt hat. Bei mir gehört dazu die Klassik mit den Trompetenkonzerten, Klavierstudien, die zeitgenössische Musik, vor allem die Zusammenarbeit mit meinem Vater, aber auch mit anderen Komponisten, dazu Jazz, Big Band- und Ensemblespiel. Wir hatten schon während des Kölner Studiums bei Manfred Schoof und Kurt Edelhagen die Gruppe „Key“, später gab es die Gruppe „Kairos“ mit meinem Bruder Simon.

Auch ein Lichtkünstler weiß wohl bei Stockhausen vorab nicht, was er spielen wird...

ROLF ZAVELBERG: Stimmt. Da muss ich mich hineinfühlen und auf die Musik hören.

Was können Sie denn abrufen?

ZAVELBERG: Ich installiere vor jedem Konzert 40, 50 Lampen und bereite Elemente vor für Bildkompositionen aus Licht. Damit kann ich dann während des Konzerts am Lichtpult spielen.

Arbeiten Sie erst seit Ihrer Reihe in St. Maternus zusammen?

STOCKHAUSEN: Es gab vorher eine kleine Serie in der Lutherkirche...

ZAVELBERG: ...aber da habe ich nur den Raum mit Licht gestaltet. Auch hier in St. Maternus habe ich zuerst nur eine Atmosphäre geschaffen, über meine Gemälde, herausgehobene Architekturelemente oder Blumen. Einen Rahmen, in dem die Musiker sich wohlfühlen und das Publikum sich auf die Musik einlassen kann. Erst später kam das bewegte Licht. Markus brachte eines Tages ein kleines Lichtpult und eine Leinwand mit.

Wie eigenständig darf das Licht zu Ihrer Musik sein?

STOCKHAUSEN: Beim Spiel schließe ich oft die Augen, sehe also kaum, was mein Freund macht. Ich lasse ihm freie Hand.

Raum und Akustik in St. Maternus sind ja gut für Ihre „Klangvisionen“. Gab es denn Schwierigkeiten mit dem Pfarrer?

ZAVELBERG: Nein, im Gegenteil...

STOCKHAUSEN: ...wir haben hier beste Bedingungen und viele Fans, die immer wiederkommen.

Warum wollen Sie dann aufhören?

STOCKHAUSEN: Wir sind im achten Jahr hier. Das letzte Konzert im Juni ist das 108. Jetzt kam das Gefühl auf: es ist genug. Das ist keine Entscheidung gegen etwas, sondern für etwas Neues, für einen neuen offenen Raum.

Gibt es den in Köln etwa schon?

STOCKHAUSEN (lacht): Wenn, dann nur in mir. Es geht auch um ein Resümee meiner Arbeit als Musiker. Ich habe in den letzten sieben Jahren viel komponiert. Rolf Zavelberg verlegt die Werke, und wir geben sie auf CD heraus. Das ist viel Arbeit. Ich sehe die Veränderung auch als Sprungbrett in eine offene Zukunft. Wir wollen einfach mal tief Luft holen!

Das Gespräch führte Marianne Kierspel. Die letzten Stockhausen-Konzerte in St. Maternus am 22. Mai und am 14. Juni beginnen jeweils 21 Uhr.“ Kölner Stadt-Anzeiger, 22.04.08

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