Duo MOVING SOUNDS; Licht: Rolf Zavelberg
Eine kurze
Definition von Intuitiver Musik
finden Sie auf unserer Seite www.aktivraummusik.de
im Editorial.
Klangvisionen Info Stille Konzerte in Köln
Zur Konzertreihe mit Markus Stockhausen
und intuitiver Musik
Stille ist in unserer lauten und schnelllebigen Zeit ein kostbares Gut. Mit den Mitteln der Kunst und der Musik möchte ich einen Beitrag leisten (Raum bieten), dass innere Stille erfahren werden kann.
Die Konzertreihe mit dem „sensiblen Trompetengenius Markus Stockhausen“ (Jazzthing, Oktober 2002) liegt mir dabei besonders am Herzen. Es ist Musik auf höchstem Niveau, aus dem Augenblick geboren, die immer wieder zutiefst berührende Momente schafft.
Seit Februar 2000 realisiere ich diese Konzerte einmal monatlich in der Kölner Kirche St. Maternus, die für unsere Veranstaltungen besonders geeignet ist. Ihre Schlichtheit lässt mir Raum, sie mit Licht und Bildern zu gestalten, und die hervorragende Akustik bietet Markus Stockhausen beste Gelegenheit sich musikalisch zu entfalten. In einem Interview formulierte Markus Stockhausen das so: „Hier in St. Maternus klingt es besonders schön. Kirchen sind wie gemacht für den Trompetenton. Ich kann mein Instrument laut spielen, ohne dass es jemandem weh tut. Und die Klänge bleiben im Raum stehen. Da kann ich mit mir selbst quasi harmonikal spielen. Also, dass zu einem stehenden Ton ein zweiter oder dritter hinzugesetzt wird und dadurch Harmonien entstehen. Akkordisches Denken, auch eben als Alleinspielender.“
Die Konzertreihe bietet meist intuitive Musik. Das meint, dass sich der Musiker allein dem Hören, der Phantasie, dem Moment überantwortet und aus seiner Intuition heraus Musik erfindet. Das ist ein deutlicher Unterschied zur Improvisation, die in der Regel eine Variation von bekanntem und vorher bestimmten Material meint. In der intuitiven Musik soll aber alles vorkommen können, was sich im Jetzt ausdrücken will.
Das verlangt vom Musiker Mut und Können. Je vielseitiger ein Musiker ausgebildet ist, je mehr Stile er beherrscht und je mehr Erfahrungen er gesammelt hat, desto vielseitiger kann er sich ausdrücken. Und das macht es sehr spannend. In der Ausbildung von Markus Stockhausen war es so, dass er durch die Klassik, den Jazz und durch die Musik seines Vaters mit ihren enormen Ansprüchen eine breite Palette von Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten mitbekommen hat, die er in der intuitiven Musik nutzt.
Bereichert wird die Konzertreihe zudem durch Gastmusiker aus aller Welt. So wirkten bis heute mit: Die irische Sängerin Noirin Ni Riain, die niederländische Klarinettistin Tara Bouman, der tunesische Sänger und Oud-Spieler Dhafer Youssef, der amerikanische Perkussionist Mark Nauseef, der chilenische Kontrabassist Enrique Diaz sowie aus Norwegen Arild Andersen (Bass), Patrice Héral (Perkussion) aus Frankreich, aus Holland Maarten Ophiel van Leer (Gesang und Flöte) sowie aus Italien Fabrizio Ottaviucci (Piano) und Andrea Dulbecco (Vibrafon). Aus Deutschland schließlich Monika Meggendorfer (Gesang), Manos Tsangaris (Perkussion), Rolf Exler (Gongs), Johannes Tonio Kreusch (Gitarre) und Simon Stockhausen (Saxophon).
Wie vielfältig und lebendig die Musik immer wieder ist, belegen auch die beiden CDs Markus Stockhausen Solo I und In Deiner Nähe, die aus Mitschnitten der Konzertreihe gewonnen wurden.
Für Markus Stockhausen ist der Klang oder die Musik Träger einer Schwingung: „ein Tor zu einer dahinter liegenden oder auch übergeordneten Welt“. Manchmal können es sehr einfache Töne oder Klänge sein, die dazu geeignet sind, dieses Tor zu öffnen. Es ist sein Ziel, „eine bestimmte Harmonie herzustellen, die es dem Zuhörer ermöglicht, loszulassen, in eine innere Harmonie zu kommen, sich in dieser Harmonie zu öffnen und weiterzugehen.“ Wobei in seinem Verständnis jede Musik auch einen Antagonismus in sich braucht, eine Gegenkraft, damit sie als Musikform, als Kraft erlebbar, fühlbar ist und interessant bleibt.
Auf die Frage, ob denn ein Soloabend nicht langweilig würde, antwortete er in der Rundfunk-Sendung „So what“: „Das ist ganz einfach. In dem Moment, wo es mir selber langweilig wird, muss ich so spielen, dass es mich wieder interessiert. Das heißt, ich versuche mich zu fordern, höre mir beim Spielen zu und sobald ich merke, dass die Energie abflacht oder stagniert, muss ich eine andere Richtung einschlagen, mir etwas Neues ausdenken. Dieser Kitzel, diese Herausforderung, sich musikalisch immer wieder neue Aufgaben zu stellen, das ist das, was mich fasziniert und auch immer wieder auf neue Ideen bringt. Man kann es eigentlich nicht mit Worten erklären. Es ist kein rein mentaler Prozess, sondern etwas, das mit Intuition zu tun hat, mit Wahrnehmung, und dann eben mit Kreativität, mit Empfindung und Phantasie.“
Markus Stockhausen ist ein Ästhet (was der Duden mit "der Wahrnehmende" übersetzt). In einem Interview formulierte er einmal: "Ich liebe schöne Klänge, ich liebe einen reinen Ton, einen klaren Klang, und bestimmte Kombinationen von Melodien und Harmonien. Da spreche ich einfach meine eigene Sprache, und einige Menschen werden zu dieser Musik finden, andere nicht."
„All die Menschen, die in einem Konzert anwesend sind, bilden eine bestimmte gemeinsame Kraft, ein kollektives Schwingungsfeld, welches – um ein Bild zu gebrauchen – wie ein Magnetfeld wirkt. Und der Musiker wird, wenn er offen ist, durch dieses Magnetfeld in Schwingung gebracht, und dann geschehen eben besonders in der intuitiven Musik bestimmte energetische Zusammenhänge, die die Musik so oder so formen. Und wenn man das will, wenn man sich speziell dafür öffnet, dann können Situationen entstehen, die im besten Sinne musikalisch und energetisch sinnvoll sind.“
Viele Besucher schätzen die Konzertreihe in St. Maternus gerade deshalb so, weil sie im Verlauf der Abende ganz tief mit sich selbst in Kontakt kommen. Wobei das natürlich nicht so sein muss. Wer „nur“ kommt, um die schöne Musik und die angenehme Atmosphäre zu genießen, ist uns ebenso herzlich willkommen.
Jenen, die sich tiefer auf das Geschehen einlassen möchten, empfehle ich die EINSTIMMUNG zum Mitsingen, die von Markus Stockhausen angeleitet wird. Diese findet jeweils zwei Stunden vor Konzertbeginn statt und dauert eine Stunde. Vorkenntnisse sind für eine Teilnahme nicht erforderlich.
Als Veranstalter der Konzertreihe fungiert die Katholischen Südstadtgemeinde; seit Sommer 2002 mit finanzieller Unterstützung durch das Kulturamt der Stadt Köln. Den beiden Institutionen und den Gastmusikern sei an dieser Stelle ebenso herzlich gedankt, wie Gordon Axmann und Rolf Beydemüller für Ihre Unterstützung sowie den vielen BesucherInnen der Konzerte, die uns seit langem die Treue halten. Ihr Zuspruch hat mir oft Kraft gegeben weiterzugehen. Mein besonderer DANK geht an Markus Stockhausen, ohne den diese Reihe so nicht möglich wäre.
Rolf Zavelberg im Januar 2003

